Kinder-Kunst-Projekt

Ein guter Geist für den Garten

Wer nicht gerade Freund des frühen Vogels und der Würmer ist, tat sich vermutlich etwas schwerer, am Samstagvormittag zum KultUr-Garten des Vereins Brilon-Mittendrin e.V. zu kommen und unter der Anleitung der Waldpädagogin Susanne Kunst kreativ zu werden.

Doch wer kleinere Kinder hat, die sowieso schon morgens aktiv sind und nach Betätigung dürsten, dem kam das Angebot gerade recht. Im Eingangsbereich des Gartens entstand so quasi als Symbol für den guten Geist des Gartens eine Figur aus Naturmaterialien.

Einige Zeit vorher hatte Frau Kunst schon frisch geschnittene Weidenzweige in einer runden Form in die Erde gesteckt. Es war ersichtlich, dass sie angegangen und in der Erde neue Wurzeln gebildet hatten. So formte dann Frau Kunst die Grundfigur. Und Eltern mit ihren Kindern begannen nun, der Grundform eine phantastische Gestalt zu geben. Rankende Blühpflanzen wurden am Boden rund um die Form gepflanzt. Daraus wird sich dann ein blühendes Gewand entwickeln. Aus weiteren Zweigen wurde ein Kopf und Arme geformt. Aus anderem Naturmaterial eine passende Frisur zurechtgezupft. Aus Blüten und farbiger Schafswolle wurden Schmuck und einige Verzierungen für die Bekleidung gebastelt.

Je weiter der Vormittag sich dem Mittag näherte, umso erkennbarer und unverwechselbarer wurde aus einer bloßen Form eine gestaltete Figur. Als am Nachmittag die Briloner Waldfee auf ihrer Tour durch die offenen Gärten auch Station im KultUr-garten machte, lies sie es sich auch nicht nehmen, mit der inzwischen prächtig herausgeputzten Figur ein Foto zu machen, quasi von Fee zu Fee.

Stutzig wurden die Erwachsenen allerdings, als ein Kind fragte: „ Wie heißt denn die neue Fee?“ Darüber hatte noch keiner nachgedacht. Aber vielleicht gibt es ja interessante Ideen. Und wenn man sich genug Zeit nimmt, und der Gartenfee freundlich und tief in die Augen schaut, vielleicht verrät sie ja ihren Namen und flüstert ihn leise in dein Ohr.

Auch das Bündnis für Demokratie war im Garten vertreten und repräsentierte mit einem Beitrag den guten Geist unseres Grundgesetzes. Mit Hilfe von einigen Holztafeln, die zwischen den Hochbeeten die kostbaren Gedanken unseres Grundgesetzes in Erinnerung riefen, wurde sichtbar gemacht, dass auch gute Gedanken wie nahrhafte Früchte sind, die unter Mühen angebaut und schließlich geerntet werden konnten. Von den darin enthaltenen geistigen Nährstoffen leben wir bis heute. Und es wird weiterhin Mühe und Arbeit notwendig sein, die Nährstoffe des Grundgesetzes anzubauen und zu ernten. Denn was geistige Mangelernährung und ausschließliches Fast-Food für die Seele anrichten kann, dafür lassen sich aktuell zahlreiche Beispiele finden.

Gemeinschaftsgärten als Orte interkultureller Begegnung

so haben wir unsere zweitägige Veranstaltung zum „Tag der offenen Gärten der Briloner Waldfee“ genannt.

Programm

Was bedeutet das Projekt KultUR-Garten für uns im Verein Brilon Mittendrin? Auf jeden Fall sehr viel mehr als Salat säen, Schnecken aufsammeln und wieder neuen Salat säen.

Gärtnerisch können wir mit unserem Garten noch keinen grossen Auftritt hinlegen, aber mit unserem Kulturprogramm möchten wir zeigen, wie gut Kultur und Gartenkultur zusammen passen. Wir hoffen, unser Blick auf Garten und Kultur kann von vielen Menschen geteilt werden.

Vielleicht muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen, um zu erkennen, dass immer dann, wenn Menschen sich auf den Weg machten – warum auch immer, aus der Not heraus, wegen Verfolgung oder wegen kriegerischer Auseinandersetzungen – an den Orten, die sie aufsuchten, Gärten anlegten.

GÄRTEN SIND ORTE DER BEHEIMATUNG

in einer Welt, die sonst fremd bleiben würde.

Das Anlegen und Pflegen von Gärten hat schon immer der Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse gedient. Nicht nur der Nahrungsbeschaffung – das vor allem –, aber auch dem in unserer DNA angelegten Bedürfnis nach Hege und Pflege, dem Bedürfnis die materielle Umwelt zu gestalten und eine Ästhetik des Alltags zu schaffen. Und vor allem schufen Gärten Orte des Zusammenkommens und der Kommunikation. In ihnen fanden vielfältige Formen der Vergemeinschaftung statt: Im Austausch von Erfahrung, von Materialien, im gemeinsamen Arbeiten und gemeinsamen Feiern. In alten Dörfern findet sich z.B. die Tanzlinde als Ort der Vergemeinschaftung. Die sommerlichen Grillparties sind ein Überbleibsel aus dieser Vergangenheit.

Inzwischen ist die Bedeutung und Wirkung des Tätigseins in Gärten vielfach erforscht und belegt worden. So spricht der amerikanische Journalist Richard Louv und mit ihm viele Fachleute vom „Natur-Defizit-Syndrom“ wenn dauerhaft eine Erfahrung in Naturräumen, so auch im Garten, fehlt. Ernsthafte körperliche und seelische Erkrankungen können die Folge sein.

Was kann der Mensch im Garten erfahren und lernen?

Empowerment als die Selbstbefähigung und Selbstermächtigung, die sich schon bei den Kindern zeigt, wenn sie sich einen eigenen kleinen Garten anlegen können.

Grundbedürfnisse des Menschen wie Selbstverwirklichung und Kooperation werden durch andere Menschen verstärkt und gefördert. Persönliche Einstellungen, Denkweisen und Fähigkeiten können aktiviert und bekräftigt werden, die Bereitschaft zum Handeln und selbstbestimmten Tun wird gefördert. Wer Kinder im Garten beobachtet, kann dieser These kaum widersprechen.

Indem wir in Gärten Gestaltungsspielräume schaffen, kreieren wir Räume, in denen sich Menschen selbstwirksam fühlen und in denen ihr Selbstwert gestärkt wird.

Nicht alle Menschen haben die gleichen Möglichkeiten, ihre Selbstwirksamkeit im eigenen Garten zu entwickeln. Gerade deshalb sind Gemeinschaftsgärten so ungemein wichtig.

Das Gefühl, in einer bestimmten Situation eine angemessene Leistung erbringen zu können, beeinflusst die Wahrnehmung , die Motivation und die Bereitschaft, sich zu engagieren ebenso wie das Selbstvertrauen. Wichtige Voraussetzungen also für die körperliche und seelische Gesundheit.

Der kürzeste Weg zur Gesundheit ist der Weg in den Garten.“

Wenn dieser Weg gemeinsam mit Menschen aus vielen anderen Kulturen und vielen unterschiedlichen Voraussetzungen gegangen wird, kann dies einen positiven Effekt auf die jeweilige Gesellschaft haben. Toleranz und das Lernen miteinander und voneinander bieten eine gute Basis für ein Verständnis und die Akzeptanz der unterschiedlichen Erfahrungen und tragen so zu einem erweiterten interkulturellen Verständnis bei.

Diesem Ziel fühlen wir uns im KultUR-Garten des Vereins Brilon Mittendrin verpflichtet und wir hoffen, mit unserem Programm zu den Tagen der offenen Gärten etwas dazu beitragen zu können.

Gemeinschaftsgärten-Netzwerktreffen Nr. 5

Das Netzwerk der Gemeinschaftsgärten im HSK traf sich am 16.04. 2024 in Rehsiepen. Wir besuchten das Alte Forsthaus Rehsiepen, und wurden von den Besitzern des Hauses, Bärbel und Peter Michels liebenswürdig empfangen und mit Kaffee, Kuchen und Schnittchen vorzüglich bewirtet. Auf 600 m üNN blühten Veilchen, Vergissmeinnicht und Schlüsselblumen, auf den Wiesen lag noch Schnee.

Das Ehepaar Michels erwarb das alte Forsthaus, das Dienstsitz für 13 Förster war, bereits 1971. Seit 1990 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, der 2007 auch auf den Garten und das frühere Wirtschaftsland ausgedehnt wurde.

2009 wurde die Stiftung Altes Forsthaus Rehsiepen von den Hauseigentümern gegründet.

Es war wunderbar zu sehen, wie die Michels die Ursprünglichkeit des Hauses und seiner Umgebung bewahrt haben, ganz ohne den Verlockungen eines modernen Über-Stylings zu erliegen.

Das ehemalige Forsthaus ist übrigens jeden 1.Sonntag im Monat am Nachmittag für Besucher geöffnet.

Quelle und mehr Infos, auch zu veröffentlichten Büchern und Aufsätzen: www.stiftung-altes-forsthaus.de

Die Netzwerker:innen vereinbarten bei dem Treffen für den Spätsommer diesen Jahres ein kleineres, gemeinsames Projekt, dem ein grösseres im nächsten Jahr folgen soll. Bei weiteren Netzwerk-Treffen soll es in Zukunft je ein Kurzreferat aus dem Teilnehmer:innenkreis geben.

Der KultUR-Garten vernetzt sich

Auf Initiative des Kulturmanagers im HSK, Klaus Depenbrock, trafen sich am 12.08.2023 Mitglieder verschiedenster Gemeinschaftsgärten im Kreishaus Meschede zu einem ersten Kennenlern-Treffen. Das Treffen wurde von allen Beteiligten positiv beurteilt und soll fortgesetzt werden.

Mit der Vernetzung wollen wir Kräfte bündeln, uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam Veranstaltungen planen und durchführen.

Beim 2. Treffen wurde vereinbart, sich am Tag der offenen Gartenpforte im kommenden Jahr mit gemeinschaftlichen Aktionen zu beteiligen.

Das Treffen fand im Campus Meschede statt, zum ersten Mal dabei war Betty Kreutzmann von den Natur-Rangern, die ihre Arbeit vorstellte.

Der nächste Vernetzungstermin findet am 31.10 2023 auf dem Gelände der Natur-Ranger statt.

https://www.kulturregion-sauerland.de/ehrenamt

https://www.meschede.de/leben-einkaufen/ehrenamt/mescheder-stadtgespraeche/gemeinschaftsgarten/

Saisonabschluss

Wie konnte das passieren!

Ein gelungener Nachmittag mit Würstchen, Gemüse und Kartoffeln vom Grill, und es existiert kein einziges Beweisfoto! Ok, nicht alles muss auf Instagram zu sehen sein, und die schönsten Bilder haben wir ja sowieso in unseren Herzen und Köpfen.

Der Garten war gut besucht, es gab Zeit für entspannte Plaudereien, und wir konnten uns mit einem leckeren Pülleken bei den immer hilfsbereiten Jungs vom Minigolfplatz bedanken. Ohne sie hätten wir unsere zarten, jungen Pflänzchen an dem ein oder anderen Tag dursten lassen müssen.

Jetzt gehen unsere Hochbeete langsam in die Winterruhe, vielleicht werden sich noch einige Gärtner:innen an Wintergemüse versuchen. Und dann werden hoffentlich viele unserer Hochbeetpächter:innen im nächsten Jahr wieder mit uns gärtnern.

Begegnungen

Wir begegnen uns im KultUR-Garten, mitten in Brilon.
Immer wenn Mitglieder der Projektgruppe im Garten anwesend sind, kommen Menschen auf uns zu. Sie sind neugierig auf unser Projekt, sind Briloner oder Gäste unserer Stadt. Kommen von sich aus auf uns zu, oder werden von uns angesprochen, wenn wir fragende Blicke oder Interesse bemerken. Oft haben wir den Eindruck, da ist jemand froh, eine Gelegenheit für ein Gespräch zu haben.

Eine kleine Unterhaltung darüber, wie es früher war im Gemüsegarten der Familie, die einer Seniorin das häufige Alleinsein für einen Moment erleichtert. Eine Frau mit Migrationshintergrund erzählt vom Garten ihrer Familie im Kosovo und ganz unvermittelt auch vom Mobbing, dem ihre Tochter in der Schule ausgesetzt ist.

All diese Begegnungen spiegeln unsere Vereinsziele wieder, zu denen auch gehört Menschen einen Platz zu geben, an dem sie sein können, wie sie sind.

Der 1. Garten-Sommer

Für die laufende Gartensaison sind alle Hochbeetplätze vergeben, zur Zeit planen wir einen Bereich mit barrierefreien Hochbeeten, die demnächst auch von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen
genutzt werden können. Ausserdem planen wir die Anlage einer Trockenmauer im Eingangsbereich und den Bau einer Kräuterspirale.
Am Heinrich-Jansen-Weg haben wir drei kleine Beete mit einjährigen Blühern und Schnittstauden angelegt, die nach gutem Anwachsen als Pflückbeete gedacht sind. Zur Zeit finden Besucher fertige kleine Sträußchen zum Mitnehmen im Eingangsbereich.

Erste Schritte

Watercolor illustration of wildflowers, painting lupines on a white and colored background.

Der KultUR-Garten im Kreishauspark Brilon am Drübelweg 11 besteht jetzt seit 2022. Wir möchten Einzelpersonen, Familien und soziale Einrichtungen zum Mitmachen einladen und einen Gemeinschaftsgarten begründen. Durch Mitmachen und Selbermachen möchten wir die Identifikation mit Brilon als Lebensmittelpunkt und unsere Willkommenskultur stärken.